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Steinmännchen statt Internet – ohne Roaming Gebühren kein Thema mehr?

Nachdem wir auch heuer unseren Winterurlaub auf den Kanaren verbrachten und die ganze Zeit, ob wir wollten oder nicht, unsere E-Mails checken, Fotos auf FB posten oder die Tipps für die besten Restaurants, Reiserouten, den Busfahrplan oder die wichtigsten Fakten zu unseren Ausflugszielen recherchieren konnten, hatte ich schon ganz vergessen, wie es früher war – vor der Abschaffung der Roaminggebühren für unser Lieblingsurlaubsland.

FB hat mich an diesen Blogbeitrag vor einem Jahr erinnert und wenn ich diesen heute lese, kann oder möchte ich mich gar nicht mehr an die Zeit mit den teuren Roaminggebühren zurückerinnern. Heuer hatten wir rund um die Uhr Internet zu unseren normalen Flatrate Tarifen. Was ich dabei irgendwie komisch finde ist, dass uns das gar nicht aufgefallen ist, in welchem Luxus oder mit welcher Verführung wir ab jetzt auch in so manchen typischen Urlaubsgebieten leben.

Noch vor einem Jahr verbrachten wir unseren Urlaub ohne Internet und waren ziemlich viel und oft damit beschäftigt, wo wir denn ein Free Wifi finden könnten, was uns in den 10 Tagen Urlaub laut meiner Beschreibung unten nur sehr selten gelungen ist. In der Zeit ohne Internet haben wir hauptsächlich aufs Meer gestarrt und die Bewegung der Wellen beobachtet oder Steinmännchen am Strand gebaut, was eine ziemlich große Zeitspanne in Anspruch nahm, bis genau die richtigen Steine und deren Anordnung für einen stabilen Stand gefunden waren.

Und wenn wir dann doch endlich Wifi gefunden hatten, saßen wir dann jeder für sich selbst mit seinem Handy beschäftigt in dem Wifi Restaurant oder Kaffeehaus und versuchten alles nachzuholen, was wir dazwischen versäumt hatten und blieben so lange als möglich, meist bis uns die andauernden Ausfälle, weil wir zu viel runtergeladen hatten, auf die Nerven gingen.

Doch wenn ich mir die Bilder so anschaue, habe ich nicht das Gefühl, dass wir in unserem Urlaub ohne Internet etwas versäumt hatten. Im Gegenteil, auf die Idee Steinmännchen zu bauen, sind wir heuer gar nicht gekommen. Ich glaube diesmal waren wir zu beschäftigt, über unser nächstes Ausflugsziel zu recherchieren oder das passende Restaurant für den Abend über das Netz zu suchen.

Es ist erschreckend und gleichzeitig faszinierend wie schnell etwas neues unser Leben einnimmt und zur Gewohnheit wird. Nur ein Jahr später erlebt man den Urlaub ganz anders, mit Posten, Mails beantworten, Whatsapp Bilder und Nachrichten zu schicken, nur weil auf einmal die Roaming Gebühren weggefallen sind und man jetzt jederzeit online sein kann, ohne dafür ein Vermögen auszugeben.

Ein Jahr später ist mein Blogbeitrag vom Jänner 2017 schon Geschichte und auch ich denke mir schon, wie war ein Urlaub ohne Internet für eine solange Zeit überhaupt möglich. Und schon in ein paar Jahren werden sich wahrscheinlich nur mehr wenige von uns an die „netzlose“ Zeit in den Urlaubsdestinationen erinnern können. Ich kann mich nur daran erinnern, dass wir im Vorjahr ohne Internet auch ganz ganz viel geschlafen haben, viel mehr als sonst!

Ich selbst kann mich gar nicht entscheiden, was mir lieber ist: 10 Tage Urlaub ohne Internet oder auch im Urlaub immer die Online Möglichkeit zu haben, doch diese nur dann nutzen, wenn es grad in den Tagesablauf passt? Heuer waren wir allerdings sehr froh, dass wir erreichbar waren, denn im Vorjahr hätten wir wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, dass unser Flieger nach Hause (Flyniki) gar nicht mehr fliegt. Mit der „everywhere“ Internetmöglichkeit über unser Handy konnten wir uns aber schon gut informieren und darauf vorbereiten, dass wir zwar über einen anderen Weg, aber doch gut nachhause kommen werden.

Nachdem ich allerdings mein Firmenhandy zuhause gelassen hatte, war die Gefahr, während des Urlaubs in Arbeit zu versinken oder zumindest die Mails zu checken, auch diesmal nicht gegeben.

Bei Maskulino war es diesmal anders: Als Selbständiger muss er (oder glaubt er, dass er muss) immer erreichbar sein. Er war schon beruhigt, dass auf seinem Mail Account nicht zu viel los war, und für nicht verschiebbare Geschäftstermine war ja sein Kompagnon Martin vor Ort (zuhause), den er bei Bedarf darum bat, dies oder das für ihn zu erledigen.  Und siehe da, auf einmal war auch Maskulino – trotz Internet – oder gerade deswegen zeitweise so entspannt, dass er manchmal für ein paar Stunden sogar sein Telefon im Apartment lies. D.h. er verschaffte sich selbst offline Zeiten, um in den Entspannungsmodus zu kommen.

Und ich bin überzeugt davon, dass ich nächstes Jahr vielleicht wieder über meine heurigen Worte schmunzeln werde und auch diese dann schon lang nicht mehr den Puls der Zeit treffen. Ich glaube, dass wir schon bald nur froh (oder auch nicht) sind, wenn wir mal nur für 60 Minuten offline gehen können oder müssen, mal sehen wie sich unser elektronisches Zeitalter entwickeln wird.

Auf jeden Fall sind die Jugendlichen, die ich kenne, überhaupt nicht mehr dazu bereit, an einen Urlaubsort oder in ein Hotel ohne Internet zu fahren, denn deren Gewohnheit ist jetzt oft schon, nur mehr (wenn überhaupt) zu den Essenzeiten offline zu sein.

Ich hoffe, dass ich mir auch ohne Roaming Gebühren, trotzdem in den nächsten Jahren besonders in der Freizeit oder im Urlaub auch die Offline Zeit von ein paar Tagen, ein paar Stunden oder nur ein paar Minuten gönnen werde, um den Life-Kontakt zu den Menschen, vor allem zu denen, die mir wichtig sind, nicht ganz zu verlieren.

Euch wünsche ich entspannte und erholsame Urlaube, wie auch immer diese sein werden und weiterhin die Zeit für Dinge, die schon ihre Zeit ohne Netz brauchen, wie z.B. Steinmännchen oder Schneemann bauen.

Einen mit oder ohne Netz aber auf jeden Fall angenehmen und gesunden Jänner wünscht euch

Gelly

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P.S.: Wie geht ihr mit der elektronischen Verlockung um? Wie verbringt ihr eure Freizeit und Urlaubstage, mit oder ohne?

 

Beitrag vom 8. Jänner 2017 zum Nachlesen für: Nur ein Jahr danach ist alles anders!

Nachdem wir diesmal bei der Apartmentbuchung für unseren Winterurlaub in der Sonne das Kleingedruckte nicht so genau gelesen hatten, waren wir tatsächlich 10 Tage ohne Internet. Wie geht das? Zuerst kam der Schock: das kann nicht sein! Also habe ich mich gleich am ersten Morgen auf den Balkon gesetzt und beschlossen, anstelle der neuesten Facebook Nachrichten, mir den Sonnenaufgang mit allen Details und Facetten anzusehen, das habe ich nämlich ohne Zusatzbeschäftigung mit mobilen Geräten noch nie getan.

Den ersten Tag verbrachten wir mit einer Küstenwanderung in die nächste Ortschaft. Dort fragten wir in einem Call-shop nach Internet, wobei der Verkäufer nur meinte: „no English“ – Naja, der erste Versuch unserer Internetsuche war missglückt, denn unsere Spanischkenntnisse waren dann doch noch nicht so gut, um in diesem Geschäft unsere Internet-Needs in spanischer Sprache zu erklären. Sie reichten maximal um meist die gewünschten Getränke oder Speisen zu bestellen und auch zu erhalten. Also rein ins nächste Geschäft: Dort konnten wir zumindest einmal ein Heizgerät kaufen – leider hatten wir nämlich auch ein Apartment ohne Heizung gebucht. Wir entschieden uns für eines ohne Lärm – also ohne Ventilator, dass uns der gut englisch sprechende Verkäufer stolz vorführte. Als wir heimkamen, hatten wir doch ein Ventilatorheizgerät gekauft – anscheinend war der Ventilator seiner Vorführheizung nur kaputt. Aber Hauptsache warm, unsere Ansprüche waren nach den ersten Hoppalas vor Ort schon ein wenig gesunken – man gibt sich dann in den kalten Nächten mit nur überhaupt irgendeiner Heizung zufrieden.

Im Elektrogeschäft fragen wir auch nach der Möglichkeit zu einem Internetzugang zu kommen. Der Verkäufer meinte, sein Nachbar könnte uns eine Karte verkaufen, die wir dann nur in unser Gerät einschieben müssen. Leider hatten wir aber keine freiverwendbaren Mobilgeräte mit, sondern nur netzgebundene. Und wenn, müssten wir auf den Telefonzugang verzichten, denn Dual-Karten-Geräte besitzen wir sowieso nicht. Dann hatte der Verkäufer eine neue Idee und wollte uns ein billiges freies Handy um 79 Euro verkaufen, das könnten wir dann mit der Mobilcard seines Nachbarn verwenden. Ist uns unsere Erreichbarkeit und unser Surfen im Urlaub wirklich so viel wert? Nein, wir wollten versuchen, ohne Internet auszukommen – unser Selbstversuch hatte somit begonnen.

Am Abend fragte ich dann doch hoffnungsvoll in unserem Stammlokal nach W-Lan, wobei der Kellner nur mit No und Kopf schüttelnd meine Frage beantwortete. Als wir dann ein paar Tage später wieder dort waren, sorgte der mit seinem Handy spielende spanische Knabe vom Nebentisch – volle Lautstärke mit Bum, Rums, Knallen usw. – für eine stetige unangenehme Geräuschkulisse. Kopfhörer, was ist das? Wahrscheinlich sind Kopfhörer für Spiele in Spanien weniger Thema als bei uns, denn wenn sich ein paar Leute am Nebentisch angeregt unterhalten, klingt das manchmal auch wie der Lärm eines Maschinengewehres inkl. aller Hintergrundgeräusche eines Videospiels. Wir konnten bei dieser Sprachmelodie nie erkennen, ob sich die Personen freuten oder stritten, denn auf jeden Fall war die spanische Unterhaltung immer laut und alle wollten gleichzeitig reden.

Als dann die Mutter des lautstarken Knaben nach Wifi fragte, kam der Kellner sofort mit einem Zettel mit dem Passwort für das Wifi zurück und alle am Nachbartisch konnten sich ab diesem Moment wieder still – nur mit Spiel oder Videogeräuschen – beschäftigen, das Reden verstummte sofort im selben Moment als der Wifi Code auftauchte. Jetzt hatte ich auch meinen Fehler entdeckt: Ich fragte immer nach W-Lan, weil ich ja laut meinem Handy ein geschütztes Netz im Restaurant da war, doch dieses Wort W-lan ist in Teneriffa anscheinend nicht bekannt. Daher wurden meine Versuche, nach Internet zu fragen, immer mit Nein beantwortet, obwohl das W-lan des Lokals offensichtlich da und aktiv war, ich hätte wahrscheinlich nur nach einen Wifi Code fragen sollen. Doch an diesem Abend wollte ich keinen Wifi Code mehr, denn Maskulino und ich hatten uns jetzt schon so viele Abende unterhalten, uns ausgetauscht, uns angeschaut, sodass ich diese gute Stimmung und meinen Blickwinkel jetzt nicht auf unsere Mobilgeräte abgeben wollte. Doch ich hatte gelernt: Ab jetzt frage ich nach Wifi!

Am nächsten Tag besuchten wir eine Strandbar mit Poolanlage und hauptsächlichen britischen Gästen und siehe da Free W-Lan, sogar ungeschützt. Alle Alarmglocken meines Mobiltelefones gaben mir ein Zeichen – kein ungeschütztes Netz benutzen – Achtung von Hackerangriffen usw. – das kann ihr Mobiltelefon zerstören, …. In diesem Moment war mir das wirklich egal, nach Tagen ohne Internet wollte ich endlich meine E-Mails sehen (eigentlich nur die Absender und den Betreff, um zu beurteilen, ob ich während meines Urlaubes antworten sollte oder ob das noch Zeit hat), meine What´s App Nachrichten lesen und in Facebook meine Neugier stillen, was sich so tut auf anderen Ecken unserer Welt und was es bei meinen Mitmenschen Neues gibt. Also chillten wir dort ein wenig, beantworteten unsere Botschaften und sendeten ein paar Urlaubsgrüße.

Unsere nächste Küstenwanderung führte uns zu einem Lokal, das wir schon zuvor einmal besucht hatten. Weil ich damals nach dem köstlichen Essen in meinem Magen, keinen Platz mehr für eine der Nachspeisen hatte, die ich an den Nachbarstischen sah, musste ich natürlich mit Platz im Magen noch einmal dorthin. Und ich konnte mich an das Free Wifi-Schild erinnern, also 2 gute Gründe dort nochmals hinzugehen. Doch wir waren halt in Spanien, wo vieles oft anders ist als man denkt. Wir waren um 11 Uhr vor Ort einen Kaffee trinken. Als ich endlich eine köstliche Mehlspeise bestellen wollte, wurde mir mitgeteilt, dass die Küche erst ab 13 Uhr geöffnet ist. O.k. gut für die Linie, es soll nicht sein! Doch als ich dann nach dem Wifi Code fragte, war ich von der Antwort schon ein wenig schockiert. Das Wifi war leider kaputt, der Techniker kommt vielleicht in einer Stunde, oder auch morgen oder auch erst nächste Woche, man weiß es nicht so genau, aber irgendwann kommt er. Der Kellner lachte bei seinen Worten, zuckte mit den Schultern und meinte: We are in Spain!

Das war´s! In diesem Moment hatte ich die Internetsuche fürs Erste wirklich aufgegeben. Es war zwar schon ein komisches Gefühl – es war Silvester und ich konnte keine Neujahrswünsche verschicken oder empfangen – nur die Möglichkeit mit SMS oder Telefon war uns geblieben, doch das wollte ich auch aus Kostengründen niemandem antun, denn das ist ja leider auch von EU-Nachbarländern für manche inkl. mir nicht so billig. Jetzt hatte ich schon vor lauter Vorweihnachts- und Jahresabschlussstress keine Weihnachtsgrüße verschickt, und jetzt konnte ich nicht einmal Neujahrswünsche schicken. Eine kurze Verzweiflung kam auf und ich hörte schon die Stimmen: „Die Gelly hat uns heuer nicht einmal Weihnachts- oder Neujahrswünsche geschickt, sie hat ganz auf uns vergessen…“. Das war aber nicht so, sondern die Gedanken waren da  und mehrere Versuche, ins Internet zu kommen, erfolglos, somit wir hatten wir uns damit abgefunden: Unser erster Urlaub ohne Internet – und das noch dazu soolange!!! Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal nicht alle paar Tage meine Mails checkte.

Dafür hatten wir aber viel Zeit zum in die Gegend zu schauen, Details der Umgebung wahrzunehmen, uns gegenseitig anzusehen und uns selbst zu unterhalten. Die internetfreie Zeit verhalf uns auch dazu, neue Beschäftigungen zu entdecken, wie z.B. Steinmännchen bauen (und dazu braucht man ziemlich viel Geduld bei der Suche des passenden Steines, wenn sie nicht beim nächsten Windstoss wieder umfallen sollen).

Hier ein paar Beispiele unseres Zeitvertreibs:

Also grad ohne Netz kann man das Leben geniessen, vielleicht sogar ein bißchen mehr als sonst – man ist dann immer im Hier und Jetzt, ein seltenes, aber sehr schönes Gefühl!

Vielleicht traut sich ja der eine oder andere mal für ein paar Tage offline zu gehen –  vielleicht muss man sich auch dazu zwingen, oder es passiert einfach durch ein Hoppala, wie bei uns. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und eventuell gerne wieder mal machen möchte.

Schöne Offline Zeiten wünscht euch

Gelly

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