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Kleidertauschbörse statt Shoppen

Jetzt wäre genau der richtige Zeitpunkt, um diese Idee, die ich vor Jahren hatte (als ich noch zu wenig Geld hatte, um mir regelmäßig die neueste Mode zu leisten) und die mittlerweile auch von anderen sogar bei 30er-Geburtstagsfeiern aufgegriffen wurde, mal auszuprobieren. Der Herbst ist normalerweise vor allem bei uns Frauen der Moment, in dem wir unseren Kleiderschrank durchforsten und nach brauchbarem und vor allem noch passenden – ich meine die Kleidergröße – Herbst- und Winterkleidungsstücken suchen. Nachdem sich mein Gewicht und meine Masse in den letzten Jahren immer wieder nach oben oder auch nach unten verändert haben, passten dann immer nur wenige Sachen wirklich gut. Den Rest wollte ich aber nicht wegschmeißen oder einer caritativen Einrichtung zur Verfügung stellen, denn dafür waren sie mir doch zu Schade. Manchmal hatte ich die Kleidung nicht einmal getragen, sondern nur im Geschäft anprobiert und unter dem Motto – ich nehme ja eh´ noch ein wenig ab, ich werde das schon schaffen – dann passt mir die kleine Größe ja wieder (quasi als Belohnung fürs Abnehmen).

Also mache ich in diesen Tagen auch wieder Modeschau zu hause. Ich probiere an einem Wochenende, alle Sachen, die ich in meinem Schrank finde, nochmals an – auch die Sommersachen, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie habe, und komme dann sicher wie sonst auch 2 x im Jahr immer auf folgenden Schluss: Das eine ist zu klein, das eine ist zu groß – Maskulino sagt dann immer, da sieht man deine Figur ja gar nicht. Die eine Farbe, die ich mir eingebildet habe, um mal was Neues zu probieren, steht mir wirklich nicht und färbt meine ansonsten rosige Gesichtsfarbe zu einem fahlen Grau. Der Minirock ist doch schon zu knapp, unter dem kann man die beginnende Orangenhaut wirklich nicht mehr verstecken. Das Dekoletee ist doch zu gewagt und absolut nicht alltagstauglich und die Abende, wo man gewagte Kleidungsstücke tragen kann, sind dann auch wieder nicht so häufig – ich greife dann sowieso immer wieder zu demselben Teil, das nicht nur schön ist, sondern in dem ich mich auch wohlfühle.

Und damals konnte oder wollte ich mir einfach keine neuen Herbst- oder Wintersachen leisten. Also beschloss ich an einem Samstag, alle meine Freundinnen einzuladen, die meine Kleidergröße haben – plus minus eine weniger oder eine mehr. Sie kamen alle – wir waren 4 – zu Kaffee und Kuchen. Jede brachte eigene Kleidungsstücke, Taschen, Schuhe oder Gürtel mit, aus denen sie wirklich herausgewachsen war oder in die man hineinfällt und sich umwickeln oder verstecken konnte. Ein wichtiger Tip: Der Termin muss längerfristig angekündigt sein, damit auch jeder Teilnehmer die Zeit findet, seinen ganzen Kasten durchzuprobieren, denn nur dann, wenn man sich im Spiegel betrachtet und eventuell noch einen Mitbewohner urteilen lässt, kann man sich ganz sicher sein, dass man das wirklich nie wieder anziehen wird. Beim oberflächlichen Betrachten hat man immer das Gefühl, das passt ja eh noch, denn das habe ich ja erst kürzlich angehabt – auf Fotos entdeckt man dann eventuell, dass das ja schon 5 Jahre her ist und seit dieser Zeit hat man sich sicher schon gewichtsmäßig oder verteilungsmäßig verändert (zumindest allen Frauen in meinem Alter, die ich kenne, passiert das gerade).

Dieser Nachmittag, der dann doch bis in die Abendstunden dauerte, ist allen noch sehr gut in Erinnerung geblieben. Wir hatten viel Spaß, konnten in Ruhe und ohne Drängerei und mit gratis ehrlichen Feedback der anderen – wir mussten ja nichts verkaufen, viele Kleidungsstücke und Accessoires probieren und hatten dann auf einmal wieder – ohne nur einen Cent ausgegeben zu haben – viele neue Stücke in unseren Kästen. Und glücklicherweise war dafür auch gleichzeitig Platz, da ja andere die nicht mehr gewünschten Teile mitgenommen hatten und mit manchem bis heute noch Freude dran haben. Diese erste Kleidertauschbörse ist zwar schon einige Jahre her, aber ich höre noch immer, ich trage dein Oberteil oder deine Jacke, und diese Worte erfüllen einem mit Freude und tragen die Verbindung der Freundschaft auf diese Weise weiter. Diese Kleidertauschbörse hat mittlerweile schon Tradition: Mit Carmen und Marylin tausche ich immer wieder Kleidung und meist genau um diese Zeit, wenn dann doch das eine oder andere zu klein oder zu groß ist oder nach 5 Jahren noch immer nicht getragen wurde.

Vielleicht habt ihr ja mal Lust, euren Kasten oder sogar eure Kästen auszumisten und die Beute dann in Rahmen eines Treffens mit Freundinnen anzubieten. Achtung: ihr müsst eure Gäste schon drauf vorbereiten und ihnen die Chance geben, auch etwas Getragenes oder noch nicht Getragenes mitzubringen. Denn nehmen ohne geben macht bei vielen ein schlechtes Gewissen und der Tausch wird viel leichter angenommen, am besten immer unter dem Motto – ich kann´s dir ja wieder zurückgeben (d.h. Umtausch jederzeit möglich, ohne die Rechnungen dafür suchen zu müssen).

Für mich hat diese Kleidertauschbörse nur Vorteile:

In meinem Kasten ist wieder Platz für neues und meine Freundinnen freuen sich über ihre neuen kostenlosen Errungenschaften.

Ich finde neues, ohne dafür Geld auszugeben und erspare mir das Suchen in meist mehreren Geschäften oder Einkaufsstraßen, das spart Benzin, Geld, Zeit, Nerven und schlechte Laune, falls sie das gesuchte schon wieder nicht in meiner Größe haben. Ich muss mich nicht mehrmals ausziehen und mein Gewand in den engen, meist zu heißen und schmutzigen Garderobe fallen lassen, um maximal 3 Stücke, wie meist vorgeschrieben, zu probieren, die dann ja meist eh´nicht passen.

Ich muss nicht hoffen, dass der Zusteller meines Paketes zu einer Zeit kommt, wo ich zu Hause bin oder dass mein freundlicher Nachbar das Paket für mich übernimmt. Und ich erspare mir den Weg des Verpackens und Zurückschickens, weil´s an mir schon wieder nicht so schön aussieht, wie an dem Model im Katalog.

Man hat genug Zeit, mit seinen Freundinnen im persönlichen geschützten Rahmen zu plaudern und muss sich nicht über mehrere Garderoben hinweg zuschreien oder sogar die peinlichen Gespräche der Garderobenachbarinnen mithören oder den neugierigen Blicken der interessierten oder gelangweilten Männern, die manchmal als Begleitpersonen  oder Kreditkartenträger mit dabei sind, stellen.

Und man muss nicht immer das neueste haben, man kann mit traditionellem, bewährten auch Freude haben, wenn man es grad neu auf diesem Weg ersteht. Außerdem findet man immer wieder Dinge in den Modezeitschriften, die man vor einigen Jahren weggeschmissen hat. Wenn ihr die Dinge im Kreis gebt, kommen sie dann vielleicht auch wieder zu euch zurück, wenn ihr doch die nächste Kleidergröße erreicht habt, aber die müssen nicht jahrelang ungebraucht im Schrank vergammeln.

Fröhliches kostenloses Shoppen und gemütliches Beisammensein bei eurer ersten oder nächsten Kleidertauschbörse – ein ideales Wochenendprogramm für den Herbst wünscht euch

Gelly

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P.S.: Einen Dank noch an Marylin, von der ich bsonders viele Kleidungsstücke in meinem Kasten habe – mehrmals wöchentlich denke ich an dich und schicke dir meine Freude beim Tragen deiner (geliehenen) Teile. Du weißt, du kannst sie jederzeit zurückhaben, wenn der Platz in deinem Kleiderkasten wieder mal aufgefüllt werden möchte.