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Herbstzeit = Suppenzeit = Aufwärmzeit

Könnt ihr euch noch an die Zeiten erinnern, an denen ihr bei Urli´s (= Urgroßmüttern), Oma´s, Tanten, sonstigen „Urstrumpftanten“ oder eurer Frau Mutter zum sonntäglichen Essen um Punkt 12 Uhr – beim ersten Anstimmen der Kirchenglocken erwartungsvoll am voll gedeckten Tisch gesessen seit – oder vielleicht ist es ja bei euch noch immer so? Bei meiner Frau Mutter gibt es auf jeden Fall täglich noch immer eine Suppe als erste Mahlzeit. Ein Leben ohne Suppe ist für meine Frau Mutter unvorstellbar.

Maskulino und ich haben diese Gewohnheit nicht weitergeführt – zumindest nicht im Sommer, da speisen wir lieber leckere kühlende Salate. Doch jetzt ist genau die richtige Zeit, eure Suppenrezepte – vielleicht auch die vererbten von den oben genannten Personen – wieder aus der untersten Schublade hervorzuholen oder für die modernen unter euch, im Internet zu recherchieren.

Auf diese Idee hat mich meine Freundin Gina gebracht, denn als ich am Montag nach ihrem Wanderwochenende mit ihr telefonierte, war sie grad am Kürbissuppe kochen. Endlich wieder im warmen, wohligen, trautem Heim war die erste Idee, eine Suppe zu kochen und zu essen, um die Wärme auch von innen zu spüren. Auch ich werde heute eine Kürbiscremesuppe kochen.

Unsere Gewohnheiten haben sich aber insofern geändert, als dass für Maskulino und mich, die Suppe manchmal auch die einzige Speise ist – ohne anschließende Haupt- und Nachspeise. Wir kochen die Suppen manchmal in riesen Töpfen und haben uns dafür sogar einen 10 Liter Topf gekauft, obwohl wir ja eigentlich meist nur zu zweit daran essen. Aber Suppen kann man perfekt portionieren und einfrieren. Sobald wir in der kühlen Jahreszeit ein wenig unterkühlt nach Hause kommen, wird dann eine Portion Suppe für 2 aufgetaut und wir schießen uns die Wärme von innen zu. Jetzt stelle ich mir grad das warme, duftende, schäumende Badewannenwasser für die Wärme von außen vor – eine ideale Kombination, falls ihr die Kühle des Herbstes bereits in euren Fingerspitzen, Nasenspitzen, Füssen oder sonst wo spürt – und schon wird mir wärmer!

Die kommenden Tage werden wir unsere Heizungen noch stärker aufdrehen, den Kamin einheizen, den Küchenholzherd wieder in Betrieb nehmen und von den darauf zwischengelagerten Dingen befreien, die Infrarotpanele wieder anstecken usw. – bevor ihr aber so viel heizt, dass euch die hohen Heizkosten wieder zum Niedersetzen zwingen, oder den Kamin so stark befüllt, dass man glaubt die Flammen kommen schon beim Rauchfang raus, vergesst nicht an Bewegung, Suppen und Badewannen zu denken, auch diese Hilfsmittel können uns zumindest kurzzeitig aufwärmen.

Meine Lieblingssuppe für diese Jahreszeit ist die Kürbiscremesuppe, wie oben schon verraten. Das Rezept dafür nehme ich aus dem klassischen Plachutta Kochbuch, welches viele Damen rund um meinen Jahrgang als Weihnachtsgeschenk bekamen – ich kurz bevor ich das Elternhaus verlies und meinen eigenen Hausstand gründete – quasi als Handbuch für das eigenständige Kochleben, damit ich ja nicht verhungere.

Meine Frau Mutter kocht gerne Tomatencremesuppe, denn meine Eltern haben meist unzählige Tomatensorten im Garten, hegen und pflegen diese uns erzielen immer einen sehr hohen Ernteertrag. Die Tomaten müssen dann alle spätestens jetzt geerntet werden, bevor sie aufgrund der hohen Feuchtigkeit in der Luft zu schimmeln beginnen oder wegen dem ersten Frost abfallen. Sie kocht alle noch im Garten verfügbaren Tomaten und passiert diese dann, um die passierte Tomatencreme, dann in kleinen Portionen einzufrieren. Ruck zuck kann man dann jederzeit einfach und schnell eine Tomatensauce oder -cremesuppe daraus zaubern.

Ganz einfach kann auch die Zucchinicremesuppe zubereitet werden: Hierfür verwende ich noch immer das Rezept meiner ehemaligen Schwiegermutter Eleonore: Zucchini in Würfel schneiden – ich viertle dafür die Zucchinischeiben -, auch eine Kartoffel würfelig schneiden. Das Gemüse in Butter oder pflanzlichem Fett anrösten, mit Suppe aufgießen (eine „Würfelsuppe“ darf´s auch sein), würzen und ca. 10 Minuten kochen. Die Menge der Suppe bitte selbst abstimmen – das Gemüse sollte zumindest ein wenig bedeckt sein. Hierfür habe ich leider kein Talent. Manchmal wird´s zu dünn – dann schlürfen wir halt Zucchinisaft, manchmal auch zu dick, dann haben wir eine Zucchinisauce als Beilage z.B. zu Nudeln oder Reis. Schmeckt aber genauso gut, wie die perfekte Suppe. Pürieren und für die „Cremeliebhaber“ unter euch Creme Fraiche, Milfina oder Obers hinzufügen. Nochmals kurz aufkochen, fertig!

Auch andere Gemüsesorten können auf diese Art zubereitet werden. Ich hab´s schon mit Karotten, Kohlrabi und Champignon probiert, wahrscheinlich geht auch Karfiol, Sellerie usw. Also einiges bleibendes haben uns unsere Mütter und Schwiegermütter doch mitgegeben. Schön dass es diese Generationenrezepte noch gibt!

Als Erinnerung an den letzten Frühlingsurlaub in Bella Italia koche ich gerne Minestrone – auch nach dem Plachutta Rezept. Früher habe ich immer viel Speck dazu gegeben, auf diesen versuche ich jetzt eher zu verzichten. Auch den Kohl und die Nudeln lasse ich weg und verwende meist Suppengemüse, weil dann nicht so viel Restgemüse übrig bleibt oder einfach das Gemüse, das grad im Kühlschrank ist. Seit ich das Gemüse von Biomitter beziehe, schmeckt das Gemüse auch ohne fleischige Zutaten gschmackig und kernig – sogar mein Freund hat sich schon daran gewöhnt. Auch wenn die Suppe lange kocht, bleibt das Gemüse noch immer knackig – fast wie ein Wunder. Hmm, freue mich schon auf die nächste Minestrone. Bei dieser Vorstellung spüre ich gleich noch den warmen Sand und das angenehme Meersalzwasser, dass beim letzten Strandspaziergang meine Füße umspült hat.

Nachdem Maskulino seine Kraft eher aus Fleischigem holt, macht er gerne eine kräftige Hühnersuppe. Darin schwimmen dann immer viele zerlegte Hühnerteile herum, manchmal auch mit Knochenkleinteilen, also muss man sehr bedächtig essen, so wie z.B. bei Fisch mit Gräten. Das Huhn besitzt den Hauptanteil, als Beilage schwimmen aber zum Glück auch noch zerkleinertes Suppengemüse, Ingwer, Wacholderbeeren und Pfefferkörner in der Suppe herum. Die Körner lege ich immer zur Seite – die fische ich heraus – weil ich den Geschmack beim Hineinbeißen überhaupt nicht mag, über das Gemüse und den Ingwer freue ich mich aber sehr. Für Maskulino ist diese Suppe fast eine Medizin. Bei den ersten Schnupfenanzeichen, beim ersten Huster, bei kalten Füssen, falls er von Regen durchnässt heimkommt usw. wird sofort die kräftige Hühnersuppe gekocht. Rezept gibt es keines – er ist eher der kreative Koch! Hauptsache kräftig, würzig und wärmend!

Das Herumschwimmen der Körner hat mich jetzt sogar noch an die gute alte „Buchstabensuppe“ erinnert. Das war eine Attrakton, als dieses Produkt auf den Markt kam und jeder fütterte seine Kinder damit. Als Kinder wollten wir nämlich eher keine Suppen – lieber nur die Nachspeisen, wobei wir uns schon gefreut haben, wenn ein Stück Schokolade vorhanden war. Und die fast tägliche, billige Nudelsuppe war irgendwann schon ziemlich langweilig – außer meine Frau Mutter hatte die Nudeln noch selbst gemacht, die waren wirklich köstlich, nur leider so viel Arbeit, dass sie seit Jahrzeiten aufgrund von Zeitmangel aus ihrer Küche verschwunden sind. Ihr wisst ja, Pensionisten haben immer Stress (bei den vielen Arzt-, Bank- und Einkaufsterminen, die sich jede Woche ansammeln), sodass sogar bei vielen Personen, die eigentlichen im Ruhestand sind, mittlerweile die schnelle Küche eingekehrt ist. Vielleicht eine Pizza mitnehmen, ein Brathuhn vom Stand vorm Supermarkt oder einfach nur Würstel kochen und Brot dazu essen, ist auch in diesen Kreisen schon salonfähig geworden. Aber zurück zur Buchstabensuppe – bei dieser hat das Raussortieren wirklich Spaß gemacht, und um den richtigen Buchstaben zu finden, der z.B. den eigenen Namen vollendete, musste man sich halt noch einen Schöpfer nehmen. So wie: Einen Löffel für das A, einen Löffel für das N, usw.! Also vielleicht könnt ihr mit diesen Tricks z.B. eure Kinder doch begeistern, Gemüse vermischt mit Buchstaben zu essen oder vielleicht gibt es mittlerweile andere lustige Nudelvariationen oder zumindest bunte, die man untermischen kann.

Nachtrag vom 14.10.2016: Auch heute habe ich wieder eine Suppe gekocht. Die Fenchel-Rahm-Suppe nach dem Rezept von Biomitter vom 29.9.2016. Wieder mal sehr, sehr köstlich! Ich habe mich genau an die Anleitung gehalten (nur die Crème Fraiche habe ich weggelassen), die Speise war in ca. 25 Minuten fertig, wobei meine Arbeitszeit dabei max. 5 Minuten war. Die Kochzeit erledigt sich ja von selbst. Dafür, dass ich bis vor einigen Monaten Fenchel immer von meinem Speiseplan ferngehalten habe, war ich heute ziemlich begeistert. Den ganzen Nachmittag habe ich bereits an der Suppe im lauwarmen oder sogar kalten Zustand gelöffelt, was mich gleich auf eine neue Idee gebracht hat. Das wäre die ideale Suppe zum Mitnehmen, das „Trinken“ für Zwischendurch, fast wie ein Smoothie. Die Mitnehmsuppe, die auch kalt gut schmeckt, könnte ein guter Trick für meine kommenden Außendienst Tage werden, um mich selbst von Mc Donalds und Co fernzuhalten.

Gutes Gelingen beim Suppenkochen und einen warmen, gesunden Herbst wünscht euch

Gelly

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