{"id":1187,"date":"2017-03-11T22:43:53","date_gmt":"2017-03-11T21:43:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freude-am-wohnen.at\/gelly\/?p=1187"},"modified":"2017-03-11T23:02:08","modified_gmt":"2017-03-11T22:02:08","slug":"der-glaeserne-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freude-am-wohnen.at\/gelly\/der-glaeserne-mensch\/","title":{"rendered":"Der gl\u00e4serne Mensch"},"content":{"rendered":"<p>Wohin f\u00fchrt uns das gl\u00e4serne Zeitalter? Ja, es ist uns klar, dass wir\u00a0&#8222;verfolgbar&#8220; sind, das passiert automatisch durch unsere Handys, Navigationsger\u00e4te und sonstige Signale, die wir ausstrahlen und t\u00e4glich\u00a0(Tag und Nacht) und \u00fcberall\u00a0mit uns tragen. D.h. unsere Wege k\u00f6nnen t\u00e4glich nachvollzogen werden, wo wir waren, mit wem wir uns getroffen haben usw. Doch was ich diese Woche bemerkt habe, dass die elektronischen Netzwerke auch schon wissen, wo wir in Zukunft sein werden, das hat mich wirklich verbl\u00fcfft und schon auch ein wenig verunsichert.<!--more--><\/p>\n<p>Denn wie wahrscheinlich viele von euch auch, nutze ich mittlerweile einen elektronischen Kalender, zumindest f\u00fcr die beruflichen Termine und das ist ein ganz normaler Outlook Kalender auf meinem Computer, der sich auch mit dem iPhone und dem iPad synchronisiert &#8211; alle Ger\u00e4te sind im Eigentum meines Dienstgebers.<\/p>\n<p>Und privat schreibe ich seit Mai 2016 diesen Blog: www.gellysblog.eu f\u00fcr Gesundheit, Ern\u00e4hrung und Society Check und diese Beobachtung ist wirklich reif f\u00fcr den Society Check. Seit November 2016 bin ich ja auch auf Facebook aktiv und bemerke schon, dass aufgrund meiner GPS-Daten oder meiner Google-Suchen, dann auch automatisch die passenden Beitr\u00e4ge dazu auf Facebook erscheinen. Auch der Zusammenhang zwischen\u00a0meinen Blogbeitr\u00e4gen und den mir anschliessend pr\u00e4sentierten Werbungen und &#8222;Forschungsergebnissen&#8220; ist mir schon oft genug markant aufgefallen.<\/p>\n<p>Hier ein Beispiel: Ich schreibe einen Blogbeitrag &#8211; Obst statt Weihnachtskeks und nur ein paar Sekunden danach bekomme ich eine &#8222;wissenschaftliche Studie&#8220; pr\u00e4sentiert, die entdeckt hat, dass Obst ungesund ist. In diesem Fall hatte ich wirklich das Gef\u00fchl, da sitzt jemand auf der anderen Seite des Bildschirms, der meint, ich soll meinen &#8222;Gesundheitstrip&#8220; nicht \u00fcbertreiben und versucht mir gleich innerhalb von ein paar Sekunden mit diesem &#8222;Gegenposting&#8220; sofort das Gegenteil zu beweisen. O.k. an das habe ich mich jetzt schon gew\u00f6hnt und auch ich, die immer wieder f\u00fcr bewusstes Lesen eintritt, anstelle nur Fotos zu beurteilen, muss trotzdem ja nicht alles lesen, was mir offensichtlich &#8222;unzuf\u00e4llig&#8220; im Netz pr\u00e4sentiert wird.<\/p>\n<p>Und dann bekomme ich auf einmal den Vorschlag von Facebook, meine Freundschaftsanfragen an genau die Personen zu schicken, mit denen ich am Montag einen Termin geplant hatte. Unter der Rubrik Freunde, die du kennen k\u00f6nntest, erschienen alle Kunden, mit denen ich in der Zukunft telefonisch Termine vereinbart hatte. Ich hatte die Kunden nicht gegoogelt und auch nicht auf deren Homepage geklickt. Ich habe nur unsere firmeninterne, angeblich sichere Datenbank verwendet, um aus dieser dann die Termine in meinem Outlook Kalender einzutragen. Und nicht nur meine Kollegen, Kolleginnen und Chefs wussten, wo ich am\u00a0kommenden Montag meine Termine habe, sondern Facebook wusste es ebenso.<\/p>\n<p>Diese Vorausschau der elektronischen Plattformen in unser kommendes Leben hat mich dann doch ziemlich erschreckt. Und das passiert mir gerade jetzt, wo ich grad urspr\u00fcnglich geplant hatte, dass meine handgeschriebenen Timer immer\u00a0kleiner werden sollten, damit\u00a0auch ich endlich noch mehr in der modernen elektronischen Kalenderwelt\u00a0ankomme, bis ich dann ganz auf sie verzichten kann. Doch diesen Vorsatz werde ich jetzt doch ein wenig \u00fcberdenken, denn bei der Verwendung des Outlook Kalenders wei\u00df nicht nur euer lokaler Computer, sondern zumindest auch ein Facebook Insider, wo ihr in den n\u00e4chsten Tagen sein werdet. Das finde ich dann wieder nicht so cool!<\/p>\n<p>Wenn ich mir dann einen Missbrauch dieses Umstandes vorstelle, denn f\u00fchle ich mich gar nicht so wohl dabei. O.k. auch unser sonstiges Leben ist manchmal recht durchschaubar &#8211; man geht um die gleiche Zeit au\u00dfer Haus, verwendet denselben Zug oder die S-Bahn, kommt ev. um dieselbe Zeit nachhause, geht um die Mittagszeit immer in dasselbe Lokal usw. Doch ich m\u00f6chte nicht, dass jeder Mensch, der die technischen F\u00e4higkeiten dazu besitzt und vor allem, den ich gar nicht kenne und noch nie gesehen habe, genau wei\u00df, wo ich mich in den n\u00e4chsten Tagen befinden werde.<\/p>\n<p>Was mir auch zu denken gibt, dass durch das elektronische &#8222;Outing&#8220; meist die Menschen, zu denen man nur Internet Kontakt hat, oft mehr von einem Wissen als die einem nahestehenden Personen. Wei\u00df eure Familie oder euren besten Freunde, wo ihr die n\u00e4chsten Tage seid? Oder umgekehrt, wenn ihr gleich nach dem Erlebten postet, wissen alle FB-Freude als erstes, wo, wann und mit wem\u00a0ihr heute unterwegs wart.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich\u00a0wissen auch die\u00a0Menschen,\u00a0die nur meine Fotos auf FB liken genau, wann, wo und wie das passiert ist, &#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1191\" src=\"https:\/\/www.freude-am-wohnen.at\/gelly\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2017-01-01-13.43.29-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.freude-am-wohnen.at\/gelly\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2017-01-01-13.43.29-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.freude-am-wohnen.at\/gelly\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2017-01-01-13.43.29-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/> <img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1192\" src=\"https:\/\/www.freude-am-wohnen.at\/gelly\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2017-01-05-12.34.47-1-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.freude-am-wohnen.at\/gelly\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2017-01-05-12.34.47-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.freude-am-wohnen.at\/gelly\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2017-01-05-12.34.47-1-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/> <img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1193\" src=\"https:\/\/www.freude-am-wohnen.at\/gelly\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2017-01-06-22.58.13-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.freude-am-wohnen.at\/gelly\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2017-01-06-22.58.13-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.freude-am-wohnen.at\/gelly\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2017-01-06-22.58.13-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p>Wer, wann, wo, was w\u00e4ren hier die Fragen, die nicht nur Experten aus meinem FB-Profil oder aufmerksame Blogleser wissen k\u00f6nnten &#8211;\u00a0vielleicht w\u00e4r&#8217;s noch einfacher, wenn ihr das aus meinem Outlook Kalender herauslesen k\u00f6nntet. O.k. meine Eintragungen und Postings kann ich selbst beeinflussen, doch wie soll ich die Eintragungen und die &#8222;Zur Schau Stellung&#8220; meiner zuk\u00fcnftigen Termine verhindern?<\/p>\n<p>Manche posten ja alles &#8211; was sie essen, trinken, sch&#8230;&#8230;, pf&#8230;.., oft in Form von Fotos. Die Kommunikationskan\u00e4le\u00a0Reden, Lesen und\u00a0Schreiben werden daf\u00fcr\u00a0immer weniger genutzt &#8211; wahrscheinlich solange bis wir sie vergessen haben, dass es sie jemals gab. Andere wiederum lehnen alles ab, was aus dem Ausland ist, was von der &#8222;Industrie&#8220; ist, was von der Politik kommt, was in der Zeitung steht, was nicht bio- oder \u00f6ko- im Wort enthalten hat, &#8230;<\/p>\n<p>Manchmal wei\u00df man wirklich nicht mehr wo die &#8222;Wahrheit&#8220; liegt und wie und wer unser Leben t\u00e4glich beeinflusst. Der eine sagt A, der andere B und wenn`s auf einmal unangenehm wird, dann wechseln A und B\u00a0ganz schnell die Meinung und A sagt auf einmal B und umgekehrt.<\/p>\n<p>Vielleicht wird im n\u00e4chsten Jahrhundert ja\u00a0unser Terminkalender schon vorgegeben und wir folgen dann einfach den Anweisungen, ich hoffe nicht, dass es so weit kommen wird. Doch dann brauchen wir uns daf\u00fcr \u00fcber die Wahrheit\u00a0keine Gedanken mehr zu machen, denn die ist dann vorgegeben, vorausgesetzt die Technik funktioniert.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht wie ich mit diesem &#8222;Vorausschau&#8220; Ph\u00e4nomen in Zukunft umgehen werde &#8211; wahrscheinlich und hoffentlich werde ich in ein paar Jahren \u00fcber den ersten Schrecken, die diese Erkenntnis jetzt bei mir verursacht hat, schmunzeln, den Kopf sch\u00fctteln und \u00fcber mich selbst lachen.<\/p>\n<p>So wie ein Erlebnis vor vielen Jahren, als ich in meine erste neue eigene Wohnung zog. Ich bezog die Wohnung nur\u00a0mit einem Campingbett, einer kleinen Palme, einen Radio und einer Kaffeemaschine &#8211; WC und Bad waren zum Gl\u00fcck schon vorhanden. Und nachdem ich zu dieser Zeit viel in Hotels gen\u00e4chtigt habe, war diese karge Einrichtung mal so richtig erfrischend, denn Hauptsache ich war zuhause in den eigenen vier W\u00e4nden.<\/p>\n<p>In der ersten Nacht konnte ich \u00fcberhaupt nicht schlafen, den irgendetwas tickte und tickte, sodass ich fast das Gef\u00fchl hatte, es war irgendwo eine Bombe versteckt. Ich wanderte dann mit meinem Campingbett von einer Ecke der Wohnung zur n\u00e4chsten, doch das Ticken war \u00fcberall zu h\u00f6ren. Endlich entdeckte ich, dass diese Ger\u00e4usche vom damals noch analogen Thermostatger\u00e4t kamen, das die Heizung regulierte. Am n\u00e4chsten Tag rief ich gleich den Servicetechniker an, um das Ger\u00e4t\u00a0entfernen\u00a0oder auf Garantie\u00a0tauschen zu lassen. Er nahm meine Sorge am Telefon ernst, beruhigte mich aber, und meinte, ich sollte das Ticken noch ein paar Tage oder N\u00e4chte beobachten und gab mir einen &#8222;Besuchstermin&#8220; in ca. einer Woche.<\/p>\n<p>Das war das Beste, was er sagen konnte. Erstens gew\u00f6hnt man sich an alles und zweitens, wurde\u00a0das Ticken besonders durch die g\u00e4hnende Leere in meiner Wohnung verst\u00e4rkt. Und siehe da, sobald die Wohnung mehr und mehr m\u00f6bliert wurde und ich keine Angst mehr vor dem Ticken hatte, schlief ich schon die n\u00e4chsten Tage, tief und fest wie ein Murmeltier.<\/p>\n<p>Ich glaube auch an diese Tatsache,\u00a0dass da irgendwer \u00fcber meinen Terminkalender Bescheid wei\u00df, den das gar nichts angeht, werde ich in ein paar Wochen, Monaten oder Jahren auch schmunzeln oder es wird mir gar nicht mehr Bewusst auffallen und zur Allt\u00e4glichkeit dazugeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Mir und euch\u00a0w\u00fcnsche ich die\u00a0Zuversicht und das Vertrauen, dass wir alle &#8222;nette, positive gesinnte&#8220; Beobachter im Hintergrund haben, die uns nur gutes w\u00fcnschen und\u00a0in Wirklichkeit\u00a0nur unterst\u00fctzen und unser Leben vereinfachen wollen.<\/p>\n<p>Rosige zuk\u00fcnftige Jahre mit unseren elektronischen Begleitern w\u00fcnscht euch<\/p>\n<p>Gelly<\/p>\n<p>Gellysblog<\/p>\n<p>P.S.: Als ich heute ein sch\u00f6nes Foto von unserem Tagesausflug mittels Whats App an eine Freundin verschickt habe, ist mir erst sp\u00e4ter\u00a0aufgefallen, dass Maskolino, der\u00a0im\u00a0Nebenzimmer sitzt, das sch\u00f6ne Bild mit ihm und seinen Enkelkindern auch noch nicht gesehen hatte. Also schickte ich es prompt auch an ihn &#8211; schon skurril, denn er war ja nur 10 m von mir entfernt. Schicken war aber einfacher, als aufzustehen, zu reden, ihn vielleicht noch grad beim spannenden Teil seiner derzeitigen Lieblings-TV Serie zu st\u00f6ren. Aber zumindest habe ich ihn das sch\u00f6ne Bild nicht vorenthalten oder auf ihn, der ja pers\u00f6nlich anwesend war, vor lauter elektronischen Verbindungen vergessen. Auch ich bin schon in\u00a0der Cloud angekommen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.freude-am-wohnen.at%2Fgelly%2Fder-glaeserne-mensch%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohin f\u00fchrt uns das gl\u00e4serne Zeitalter? 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